WEITER, IMMER WEITER

Verborgenes Leben, 16. März 2025

Nach dem Spitalaufenthalt kam es zur ersten Begegnung mit dem Sohn, der inzwischen in die Wohngemeinschaft seiner Eltern eingezogen war und nun Tür an Tür, gegenüber von mir, sein Zimmer hatte: Eine herzliche Umarmung, ein «Schön, dass du da bist», eine ehrliche Begegnung. Dennoch blieb sein Einzug etwas sonderbar. Er schien ganz normal, ohne große Schwierigkeiten, nicht so, wie es den Eltern vom Psychiater-Bruder unterbreitet worden war.

Nun begann für mich eine wichtige innere Lebensphase. Auf die Zeit der höchsten Erschöpfung folgte eine ärztlich verordnete Ruhepause. Mir wurde Zeit geschenkt, die ich nutzte für mein Seelenleben, indem ich noch intensiver ins Gebet, ja, ins Gespräch mit Gott ging. Ich hätte ein ganzes Buch voller Erfahrungen schreiben können, von den vielen Anstrengungen, Rückschlägen und Verunsicherungen, doch das brauchte ich nicht. Gott kannte und kennt jede meiner Bemühungen, er kannte mein Lebens- und Seelenbuch, er war der Einzige, der meinen Weg beurteilen konnte. Vor Ihm war ich sauber. Doch ich wünschte mir mehr, ich wünschte mir die Reinheit. Ich wünschte mir Reinheit, ich fühlte in mir dieses als Wunsch, um dem Vater Ehre zu geben und in der Nachfolge des Jesus, des Christus, treu und furchtlos der dunkeln Macht entgegenzutreten, die ich nun annahm, die ich nun akzeptierte. In meinem gesundheitlich geschwächten Zustand stärkte ich mich und baute mich auf im Gebet. Ich spürte auch, dass ich wie eingehüllt war. Ich liebte es, wenn es mich fröstelte, mich in eine warme Wolldecke einzuhüllen, so empfand ich den Schutz, in den ich mich begeben konnte, wann immer ich wollte.

Wie viel vom wahren Geist Christi wird denn wirklich gelebt? Nach den Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren durchgemacht hatte, bewegte ich in mir viele Fragen. Wie konnte es sein, dass viele Glaubensgeschwister aus verschiedensten Himmelsrichtungen angetreten waren, um im Geiste Christi zu leben, nun aber von früh bis spät arbeiteten, erschöpft waren, ohne wirklich etwas von seinem Auferstehungs- und Erlösergeist zu spüren? Sie alle waren und sind doch willig. Was stimmte da nicht? «Christus, das bist doch nicht du! Es ist nicht dein Geist, den ich sehe, doch ich will auch keinem Unrecht tun, keinem Gott absprechen, doch ich sehe deine Spur nicht mehr! Wo bist du?»

Die Führerin hatte Schulungen über Schulungen gegeben. Weshalb stellte sich Stagnation, zum Teil Mutlosigkeit und das Gefühl von Versagen ein? Ich hatte lange Zeit gedacht, vielleicht mangle es mir an Disziplin, doch nach so viel Anstrengung wagte ich es, mich kritisch zu äußern, wenn ich erfuhr, dass es der Prophetin wegen der unzulänglichen Verwirklichung der Christusnachfolger nicht gut gehe. So konnte es doch nicht stimmen. Ich konnte nun unterscheiden: Wenn ich mich von Herzen eingesetzt hatte, quälte mich kein schlechtes Gewissen, ich nahm für mich Eigenverantwortung in Anspruch und fühlte mich gleichzeitig nicht mehr zuständig für den Lebensplan und die Befindlichkeit meiner Mitmenschen. Auch nicht für den gesundheitlichen Zustand der Prophetin, hatte sie selbst doch Ursache und Wirkung zum obersten Gebot erhoben. Ich entkräftete den aufgebauten Gruppendruck, wenn er sich aufstellte. Ich sah darin jetzt das Übel, das sich aufplusterte und der Entwicklung im Geiste Gottes entgegenstand. Druck, das gehörte bestimmt nicht in die Lehre des Jesus und auch nicht zum auferstandenen Christus. Mit innerer Bestimmtheit wusste ich nun in vielen Situationen: So, wie es gesehen und vertreten wurde, so war es nicht.

Viele Feuerproben hatte ich hinter mir, hatte sehr vieles ausgehalten, um zu verstehen. Immer besser erfasste ich die Verheißung von Jesus: «Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.» Ich kam zu einer fundamental neuen Sichtweise: Es war überhaupt noch nicht vorbei, nicht alles war umsonst! Christus wird alle Mühen und Sorgen in Kraft umwandeln. Ich spürte in mir neue Hoffnung, Zuversicht, neuen Glauben und neues Vertrauen. Ich spürte: Es geht weiter, immer weiter.

VERBORGENES LEBEN

 

«Schreibe für dich den Weg, der bei dir zur direkten Kommunikation geführt hat auf, denn es hilft dir beim Helfen!»