Urlaub

Verborgenes Leben, 30. Oktober 2024

Ich war nun schon einige Jahre von zu Hause weg und konnte die Nähe zu Arthur und meinem Sohn nun besser bewältigen, wenn ich sie an wenigen Tagen im Jahr besuchte. Anfänglich war das Abschiednehmen, die wiederkehrende Trennung, jeweils wie ein Rückschlag: Ein erneuter Schmerz, der aufgerissen wurde und der dann wieder heilen musste. Dieses war nun nicht mehr so, auch wenn es immer noch schmerzte.

Ich hatte zwei Wochen Urlaub im Jahr, diese wollte ich jeweils für einen kurzen Besuch bei meinen zwei Männern und auch für meine Enkelin nutzen. Doch es war schwierig eine Fahrt in die Schweiz zu planen. Urlaubstage wurden wie eine Zumutung empfunden – überhaupt das Recht auf Urlaub wurde schon wie eine Forderung empfunden, so jedenfalls hatte ich das wahrgenommen. Unterschwellig oder gar offensichtlich wurde darauf hingewiesen, es wäre angebracht, auf dem inneren Weg Familienprogramme oder Bindungen allmählich zu lösen. Dieses stimmte nicht mit meinem Inneren überein. Ich wusste, dass ich die Verbindung zu Arthur sicher nicht aufgeben und mein Versprechen halten, meinem Ehe-Bund mit ihm treu bleiben würde.

Allein durch die Tatsache, dass ich mich innerlich deswegen unfrei fühlte, lag etwas in der Luft, was bei meinem Ehemann Arthur ankam. Oft ahnte er trotz der Entfernung, wenn es mir nicht gut ging. Ich habe nie bei Arthur über die wirklich schwierigen Verhältnisse gesprochen oder mich beklagt. Ich hatte mich für den Schritt nach Deutschland entschieden, hatte auch ihm diese äußerer Trennung zugemutet und musste diese nun tragen, also wollte ich ihn damit nicht belasten.

VERBORGENES LEBEN

 

«Schreibe für dich den Weg, der bei dir zur direkten Kommunikation geführt hat auf, denn es hilft dir beim Helfen!»