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Verborgenes Leben
Eine alte Frau, die in einem der Mehrfamilienhäuser wohnte, die ich betreute, lebte sehr zurückgezogen und war bekannt dafür, dass sie nur wenige Worte mit ihren Nachbarn wechselte. Es war kurz vor Ostern und ich stand unter Zeitdruck, da ich am nächsten Tag zu einem großen Treffen der Glaubensgemeinschaft fahren wollte.
In einer Pflanzenübung, die uns im Intensivkurs gegeben wurde, sollten wir in uns hineinhören, das war die Aufgabe. Ich suchte mir ein Bäumchen aus, es stand in voller Blüte, viele Bienchen summten herum und suchten die blauen Blüten ab, nach dem süßen Honig.
Ich war überzeugt, ich hatte, was den Tod von Theddy betraf, alles aufgearbeitet. Ich hatte mit meinen Ängsten gerungen, sie bearbeitet, bis sie überwunden waren. Als unser Sohn Patrick anfing, freudig mit seinem Mofa herumzukurven, stiegen diffuse Gefühle der Angst in mir hoch.
Im Rahmen der Glaubensgemeinschaft fanden Sonntagstreffen in Zürich statt, auch andere Versammlungsorte waren dabei per Telefon zugeschaltet. Auf diese Weise wurden zum einen Offenbarungen gehört und darüber gesprochen, zum anderen auch konkrete Erfahrungen, die man mit Aufgaben im täglichen Leben machen konnte, ausgetauscht.
Einmal wurde ich mit Arthur von einem süchtigen Paar zu einem Fondue eingeladen. Ich wusste, das würde einiges von mir abverlangen. Ich kannte ihr Zuhause, es war schmuddelig, unaufgeräumt, chaotisch und es roch stark nach Katzenurin. Doch es war eine Einladung, es ging um die Geste, es ging um Achtung und um Respekt.
Die Regierung von Zürich fand keinen gemeinsamen Nenner, um das Drogenproblem zu lösen. Die einen waren zu verständnisvoll, zu wohlwollend und zu liberal, die anderen wiederum zu konsequent, zu hart, zu konservativ.
Die Regierung von Zürich fand keinen gemeinsamen Nenner, um das Drogenproblem zu lösen. Die einen waren zu verständnisvoll, zu wohlwollend und zu liberal, die anderen wiederum zu konsequent, zu hart, zu konservativ.
Mitte der 80er-Jahre begann Zürich zum größten Drogenumschlagsplatz Europas zu werden, zu einem Treffpunkt für junge Menschen, die längst der Verführung der unbegrenzten Freiheit auf den Leim gegangen waren. Ich dachte auf der Suche nach Sinn, nach Tiefe, nach Wahrheit über den Wert von Leben nach.
Ich betreute in dieser Zeit auch eine Alkoholikerin, die oft anrief, meist mitten in der Nacht, sie weinte und forderte mich auf, zu ihr zu kommen, um ihr zu helfen. Dreimal war ich diesem Ruf schon gefolgt, war mitten in der kalten Dezembernacht bei schwierigsten Straßenverhältnissen 40 Kilometer gefahren, um dem heulenden Elend Mut zuzusprechen.
Nachdem Maria den Suchkrankenhelfer-Kurs absolviert hatte, wurde sie im drauffolgenden Kurs angefragt, sich als Kursleiterin für die kantonale Suchtkrankenhilfe einzubringen.
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